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| Disappearances/Vom Verschwinden: Gedichte/Poems. Zweisprachige Ausgabe
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"Nacht wie von innen gekostet" - oder: Der amerikanische Paul Celan
• • • • • (bewertet mit 4 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (REAL NAME) Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?) Rezension bezieht sich auf: Disappearances/Vom Verschwinden: Gedichte/Poems. Zweisprachige Ausgabe (Taschenbuch) "Hier wirst du schlafen, eine am Stein vertäute Stimme, die sich durch dies leere Haus bewegt, das dem Brand lauscht, der es zerstört hat. Du wirst anfangen. Deinen Leib aus der Asche zu ziehen."
Paul Celan, John Ashbery, Giuseppe Ungaretti (und unzählige französische Poeten des 20. Jahrhundert) - über diese Dichter schrieb Paul Auster in seinen frühen literarischen Essays (Die Kunst des Hungers), bevor er sich ganz der erzählenden Prosa widmete und als Romancier bekannt wurde. Neben den Essays schrieb er in dieser Zeit auch einige Gedichte, beides ist jetzt zugänglich.
"Schriftrollen deiner zweiten Erde, enträtselt von meinen langen brandstiftenden Händen. Der Himmel in deinem Namen - er gleitet Böschungen aus Blau hinab: der Himmel überschreitet den Weizen."
"Fluch überschäumt
Prophezeiung: Die Gletscherrose vermacht ihre Dornen dem Atem, der mühsam nach Blick und Vergessen strebt."
Wie man an den lyrischen Beispielen schon sieht, haben Ungaretti und Celan Auster wohl am meisten beeinflusst, wobei er sich vom Wesen her sehr schnell selbst ausgebildet hat. Die meisten Texte sind/wirken hermetisch und düster, voller kontrastierender Metaphernkonturen, voller, durch Bilder aufgebrachter Unnahbarkeit und vor allem: voller Verschwinden.
"Schulter an Schulter mit dem Staub, vor der Klinge und hinter dem hohen dürren Gras, das mit mir schwankt, bin ich der Luft gestammeltes Relikt."
Sicherlich ist Auster kein schlechter Lyriker, auch wenn die hermetische Spielerei mir selbst wenig zusagt, da sie mehr Bilder und weniger Gefühle zulässt. So finden sich in diesem Band, wie in jedem guten Gedichtband, auch einige Schätze, Gedichte, die wie eine Botschaft aus einer erkenntnisreicheren Welt erscheinen oder wie ein Ruf aus einem Sturm voller Schreie.
"als ob auf der Strecke zwischen Abend und Morgen eine Hand deine Seele genommen und mit den Steinen in den Sauerteig der Erde eingeknetet hätte."
Wer diese Textbeispiele liest und die, die ich noch in den ersten Kommentar gepackt habe, wird denke ich jetzt selbst entscheiden können, ob er in dem austerischen "Land der letzten Lyrik-Dinge" herumstreifen will. Sprachgewaltig wird er hier vielleicht sehr viel mehr finden, als ich zu erreichen bereit war. Eins kann ich sagen: Auster hat mich wie immer melancholisch verblüfft.
"Es gibt keine Grenzen im Licht. Und die Erde lässt und kein Wort für unser Lied. [...] Die Welt, die in mir schreitet, ist nicht zu erreichen."
P.S.: Auch ist übrigens schade, dass der Band außer den Gedichten nicht enthält, kein Nachwort des Übersetzers, kein Kommentar von Auster, keine Anmerkungen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 11. Januar 2012 | | |
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